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Wasser aus dem artesischen Brunnen im Regensburger Stadtteil Harting

Facharbeit von Manuel Strehl, Gymnasium Neutraubling

by Manuel Strehl

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Titelbild: Die Brunnenanlage

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Bedeutung des Wassers
    1. allgemein
    2. naturwissenschaftliche Sicht
    3. soziologische Aspekte
  2. artesische Brunnen
    1. Begriffsbestimmung
    2. Bedeutung
    3. der artesische Brunnen Harting
      1. Geschichte des Brunnens
      2. heutige Anlage
      3. geologische Voraussetzungen im Raum Harting
      4. mögliche Zusammenhänge
  3. praktischer Teil
    1. Probennahme
    2. qualitative Nachweise
      1. Eisennachweis
      2. Zugabe von weiteren Substanzen
        1. Bariumhydroxid
        2. Bleinitrat
        3. Kupfersulfat
    3. quantitative Nachweise
      1. Titrationen
      2. kolorimetrische Nachweisreaktionen
      3. Ergebnisse der quantitativen Analyse
      4. Auswertung der quantitativen Analyse
        1. Stickstoffverbindungen
        2. Gesamthärte
        3. Phosphat, Silicat
        4. Sauerstoff
        5. Eisenionen
        6. Schwankungen der Meßwerte
  4. Beurteilung der Meßergebnisse
    1. Qualität des Brunnenwassers
    2. Herkunft des Brunnenwassers
      1. der artesische Brunnen Barbing
      2. die Heilquelle Bad Abbach
      3. Folgerungen
  5. abschließende Betrachtung
    1. über die Verwendung des Hartinger Brunnenwassers
    2. Überlegungen zur Verbindung Hartings mit seinem Brunnen
  6. Verzeichnis der Quellen
  7. Anhang

Die Bedeutung des Wassers

allgemein

Wasser mit all seinen chemischen, physikalischen und auch soziologischen Eigenschaften spielt auf der Erdoberfläche eine zentrale Rolle. Es war als Trägersubstanz in den Urmeeren notwendig für die Entstehung des Lebens und hatte auch danach noch enormen Einfluß auf dessen weitere Entwicklung.

Auch wenn Lebewesen es geschafft hatten, auf trockenem Land zu überleben, war die Wasserversorgung doch stets ein primäres Ziel. So verwundert es auch nicht, daß die ersten Hochkulturen in der Menschheitsgeschichte in einem Atemzug mit Flüssen wie Nil, Euphrat oder Tigris genannt werden müssen.

Es war wohl auch die Bedeutung des Wassers im alltäglichen Leben, die Thales von Milet dazu bewegte, in diesem Stoff die Grundsubstanz für den Aufbau des Universums zu vermuten. Die modernen Naturwissenschaften haben diese Theorie sehr bald widerlegt, doch ist der Wasserstoff, der immerhin zwei Drittel der Stoffmenge des Wassers ausmacht, die entscheidende Substanz zur Synthese aller übrigen Elemente.

naturwissenschaftliche Sicht

Auch in vielerlei anderer Hinsicht ist das Wasser in Physik, Chemie, Biologie und Geologie von immenser Wichtigkeit.

Wasser hat eine erstaunlich hohe spezifische Wärmekapazität, sie liegt bei 4,19 J/gK. Damit eignet sich Wasser vorzüglich als Energiespeicher oder Kühlmittel, sowohl in der Technik als auch im Organismus [vgl. 1, S.63]. Auch hat die hohe Wärmekapazität Auswirkungen auf das Klima, auf die ich später eingehen möchte.

Wasser zeigt desweiteren eine hohe Polarität, die es ihm möglich macht, Ionen und andere polare Stoffe, auch Salze, zu lösen. Dadurch ist es für den geregelten Ablauf der Lebensvorgänge unentbehrlich, da sich die physiolog.-chem. Vorgänge in wäßrigen, meist kolloiden Lösungen abspielen. [11, Bd. 20] Dies ist ein zentraler Grund, warum Lebewesen einen erstaunlich hohen Wassergehalt aufweisen, der beim Menschen ca. 65% beträgt.

Auch viele andere chemische Prozesse sind ohne eine Beteiligung des Wassers undenkbar. So ist es zum Beispiel bedeutsam als Ampholyt bei Säure-Base-Reaktionen oder bei biochemischen Vorgängen.

Entscheidend für das Leben auf der Erde ist auch der geologisch Einfluß des Wassers. Die Meere und Ozeane sind mitbestimmend für die Form der Kontinente und das Erdklima hängt in hohem Maße von den chemisch-physikalischen Eigenheiten des Wassers ab. Die bereits angesprochene hohe Wärmekapazität macht die Ausbildung gemäßigter Klimazonen entlang warmer Meeresströmungen bis in die Polarkreise möglich.

Die Wolken, verdunstetes Meerwasser, reflektieren einen Teil der Sonneneinstrahlung und verhindern so eine übermäßige Aufheizung der Erde. Der in den Wolken gebildete Niederschlag ist ein tragender Bestandteil des Kreislaufs des Wassers und erlaubt die Bildung von Flüssen, Seen und Grundwasser, war also, und ist noch immer, Grundbedingung dafür, daß sich das Leben fern von Ozeanen ausbreiten konnte.

soziologische Aspekte

Auch der Mensch war in der Lage, im Inneren von Kontinenten zu überleben. Bald machte er sich das Wasser auch anderweitig zunutze. Er verwendete die Flüsse als Handelswege, baute bedeutende Städte an Flußzusammenläufen und festigte seine Herrschaft über andere Menschen mit der Kontrolle über das Trinkwasser.

Heutzutage garantiert die Politik eine geregelte Wasserversorgung. Das Wasser hierfür entstammt dem Grundwasser, Quellen, Bächen, Flüssen oder Talsperren [11, Bd. 20] und wird im folgenden mehreren Arbeitsschritten unterworfen, in denen es gefiltert, enteisend, und keimfrei gemacht wird. Hierauf wird es vom Wasserwerk in das Rohrnetz eingespeist und zum Verbraucher geleitet. Das Regensburger Trinkwasser entstammt vor allem dem Grundwasser und muß mit Pumpen gefördert werden.

artesische Brunnen

Begriffsbestimmung

Schemazeichnung eines artesischen Brunnens
Abb. 1: Schema eines Artesers

Das Wasser aus artesischen Brunnen muß nicht durch äußere Krafteinwirkung zur Oberfläche gebracht werden. Der Erdboden ist aus verschiedenen Schichten aufgebaut, die wasserführend oder wasserundurchlässig sein können. Wenn nun eine wasserführende Schicht zwischen zwei wasserdichten eingebettet ist und diese drei eine Senke bilden, so steht das Wasser in der Mitte dieser Senke unter Druck, da es dem Prinzip der kommunizierenden Röhren folgt und dadurch einen allerorts gleichen Wasserpegel erreichen will.

Wird nun durch eine Bohrung die oberste Schicht durchbrochen, so wird das Wasser ohne äußere Einflüsse durch dieses Loch nach oben gepreßt [vgl. 11, Bd. 1].

Bedeutung

Artesische Brunnen finden vor allem in Australien ihre praktische Bedeutung. Die dortige Landwirtschaft stützt sich auf die Wasserresourcen der zwanzig artesischen Becken im Osten des Kontinents. Allein das große Artesische Becken liefert aus 3000 Bohrlöchern täglich mehr als 1,5 Mill. cbm Wasser. [11, Bd. 1]

1126 wurden erstmals artesische Brunnen in der französischen Grafschaft Artois angelegt, die im Lateinischen Artesium heißt und so den Brunnen den Namen gab.

der artesische Brunnen Harting

Geschichte des Brunnens

Auch der Dorfplatz der Regensburger Gemeinde Harting wird von einem Brunnen geschmückt, der sein Wasser aus einem artesischen Überlauf bezieht. Dieser Dorfplatz wurde erst vor wenigen Jahren auf dem Gelände eines ehemaligen Gutshofes zusammen mit mehreren Wohnhäusern geschaffen. Bei Baggerarbeiten zu einem dieser Häuser stieß man 1993 auf den Brunnenkopf des ehemaligen artesischen Brunnen[s] des Hartinger Gutshofes [9, vgl. Anhang], der dabei beschädigt wurde. Es wurde festgestellt, daß dieser Brunnen Anfang der 80er Jahre durch die Stadt Regensburg abgerissen worden war, und daß das Wasser in einen Vorflutgraben nördlich des Platzes geflossen war.

In einem aufschlußreichen Gespräch erfuhr ich von Herrn Wessely, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Harting, daß dieser Brunnen, der etwa um die Jahrhundertwende angelegt worden sein muß, die ehemals einzige Wasserversorgung für den erwähnten Gutshof darstellte. Er war also Trink- und Nutzwasserlieferant für etwa 100 Personen.

Nach Aussage von Herrn Wessely mußte sich ein unterirdisches Becken gebildet haben, in dem sich das Wasser unter Druckaufbau sammeln konnte. Es sind noch zwei weitere Wasserentnahmestellen bekannt, die ihr Wasser aus diesem Becken bezogen. Eine liegt in Harting und ist im Besitz der Familie Zirngibl und eine zweite wurde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs zur Wasserversorgung des Fliegerhorstes im benachbarten Neutraubling genutzt.

Der ehemals relativ hohe Wasserdruck muß nach der Inbetriebnahme dieser letzten Zapfstelle erheblich gesunken sein und hat dann im Laufe der Zeit sein heutiges Niveau erreicht.

Der Brunnen war bis zur Auflösung des Gutes und dessen Verkauf an die Stadt in Betrieb, also etwa bis 1977. Nach seinem Abriß zu Beginn der 80er Jahre wurde er vergessen und erst durch die Vergabe des Gebiets an einen privaten Bauherrn und dem folgenden Ausheben einer Baugrube wieder entdeckt.

heutige Anlage

Fotografie des Überlaufs des Brunnens
Abb.2: Überlauf des Brunnens

Das Stadtgartenamt beschloß kurz nach der Entdeckung, die wieder aufgetauchte Brunnenanlage zu sichern und zu sanieren. Diese Arbeit wurde im Herbst 1995 erfolgreich abgeschlossen [vgl. 9].

Um nun die notwendig Entlastung für den Arteser durch eine geregelte Wasserentnahme sicherzustellen, wurde beschlossen, ihn mit der Brunnenanlage auf dem neuen Dorfplatz zu koppeln. Ca. 1,50 m unter der Erdoberfläche wurde also eine Rohrleitung so verlegt, daß das frei ablaufende Wasser in Richtung Brunnenplatz abgeleitet wird. Eine Pflasterrinne nimmt das Wasser nach dem Eintritt in die Frostzone in Empfang und führt es zur

Brunnenanlage, die auch ohne den artesischen Brunnen betrieben werden kann. Der Überlauf des Brunnens wird durch eine geschlossene Rohrleitung in den bereits erwähnten Vorflutgraben geführt.

Der alte Brunnen stellte sich nach Abbruch der Bauarbeiten folgendermaßen dar: Die Baugrubensohle wurde bei ca. 3,00 m erreicht. Der Brunnenkopf ragte etwas über diese Höhe hinaus und wurde so gefunden und beschädigt.

Lage des Brunnens auf einer Schemakarte
Abb.3: Lage des Brunnens (9)
Fotografie der Schachtabdeckung
Abb. 4: Schachtabdeckung

Bis in eine Tiefe von 5,50 m folgten verbliebene Betonringe des alten Brunnens mit einem Durchmesser von 1500 mm. Innerhalb dieser Betonringe waren Rohre verschiedenen Durchmessers versenkt. Das äußerste Rohr mit einem Durchmesser von 390 mm erreichte eine Tiefe von 13,00 m. Das darauffolgende Rohr war 270 mm dick und endete in etwa 18 m Tiefe. Die Brunnenmitte wurde von einem Rohr gebildet, das bis in eine Tiefe von 13,00 m einen Durchmesser von 200 mm hatte und sich dann auf 150 mm verjüngte. Nach 17,5 m bis zu einer Tiefe von 19,5 m war die Außenseite des Rohres gelocht. Wie tief die Bohrung jenseits der 19,5 m war, ist nicht bekannt, sie muß aber mindestens im Bereich von 28-30 Metern liegen, um die vorhandene wasserdichte Tonschicht zu durchdringen [vgl. 9, Anhang, Bild 5].

Im Zuge der Sanierung des Brunnens wurde das alte mit einem 500 mm durchmessenden neuen Rohr überbohrt. Gleichzeitig wurden die alten Verrohrungsreste gezogen. Das neue Rohr mußte bis in eine Tiefe von 10,00 m in den dortigen Ton eingebohrt werden. Ein PVC-Vollrohr und ein umschließendes Sperrohr mit 355,6 mm Durchmesser führen dann das Wasser in einen Schacht, dessen Betonsockel bei ca. 2,30 m beginnt. In 1,50 m Tiefe zweigt vom Sperrohr der Überlauf zum Brunnen ab, der abgesperrt werden kann. In 1,10 m Tiefe endet das Sperrohr mit einem Blinddeckel, an dem sich ein Manometer befindet. An der Oberfläche ist hier nur die verschließbare Schachtabdeckung zu sehen, die einen Durchmesser von 800 mm hat und von einem Dunsthut gekrönt wird.

Je nach jahreszeitlicher Schwankung beträgt der natürliche Wasseraustritt des Brunnens 0,1-0,2 l/s, er kann aber auch komplett abgesperrt werden [vgl. 9, Anhang].

geologische Voraussetzungen im Raum Harting

Im Bereich Harting wird die grundwasserführende Schicht, die aus Sand- und Kalkstein besteht und etwa in einer Tiefe von 20-25 m beginnt, von einer darüberliegenden Tonschicht abgedeckt. Diese macht das Ausbilden eines kleinen artesischen Beckens möglich. Das Grundwasser fließt von den höher gelegenen Gebieten des südlichen Landkreises Regensburg der Donau in dem von ihr gebildeten Tal zu. Dadurch baut sich ein natürlicher Druck auf, der die Anlage des Artesers in Harting möglich machte.

Schema des geologischen Profils im Raum Harting
Abb. 5: Geologisches Profil im Raum Harting

Nach der Wiederentdeckung des Brunnens mußte das Wasserwirtschaftsamt feststellen lassen, ob das Wasser geeignet war, um in die Brunnenanlage und danach in ein Oberflächengewässer eingeleitet zu werden. Deshalb gab es den Analyseauftrag an die Firma LUBAG GmbH weiter, die daraufhin eine Gewässerprobe unter den gegebenen Zielsetzungen untersuchte.

Die Analyse brachte ein positives Ergebnis in Bezug auf die Verwendungsfähigkeit des Wassers. Sowohl Nitrit- als auch Sulfidgehalt lagen unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,02 bzw. 0,05 mg/l, ebenso Mangan. Eisen wurde mit 0,7 mg/l bestimmt und Ammonium mit 0,49 mg/l. Der pH-Wert lag bei 7,5. Der im Wasser gelöste Sauerstoff betrug 0,62 mg/l, die Leitfähigkeit wurde mit 900 mS/cm angegeben. Bei der Probennahme wurde ein Geruch nach Schwefelwasserstoff festgestellt, der sich aber bei späterer Untersuchung im Labor verflüchtigt hatte [vgl. 8, Anhang].

mögliche Zusammenhänge

Dieser Geruch, der an faule Eier erinnert, wurde auch von den Hartinger Einwohnern vor allem an heißen Sommertagen festgestellt. Die Bad Abbacher Heilquellen enthalten große Mengen gelöster Schwefelverbindungen. Da sie auch geographisch günstig liegen, wäre es möglich, daß eine Verbindung zwischen den beiden Quellen besteht. Auch wurde von einem Mitarbeiter der LUBAG geäußert, daß der artesische Brunnen Harting in Zusammenhang mit einer gleichartigen Quelle in Barbing stünde. Beide lägen nämlich im Gebiet einer geologischen Störung. Auf diesen Sachverhalt möchte ich später (4.2) noch eingehen.

praktischer Teil

Probennahme

Auch bei der Probennahme, sowohl im Sommer als auch im Winter fiel der Geruch nach Schwefelwasserstoff auf. Die Wasserproben wurden im Sommer hinter dem Überlauf des Artesers entnommen, die Probe im Januar direkt vom unterirdischen Brunnenkopf. Sie wurden in Glas- bzw. Plastikflaschen gefüllt, der pH-Wert wurde noch vor Ort ermittelt, ebenso wie die Temperatur. Die restlichen Untersuchungen wurde meist noch am selben Tag vollendet.

An den Proben ließ sich feststellen, daß das Wasser an den Innenseiten der Flaschen Gase entwickelte. Damit zusammen fällt auf, daß es schon zwei Tage nach der Entnahme keinen Schwefelgeruch mehr feststellen ließ, obwohl dieser zu Beginn eine fast schon stechende Intensität gehabt hatte.

qualitative Nachweise

Eisennachweis

Abbildung 6
Abb. 6

Der Überlauf des Artesers, der zur Brunnenanlage führt, war bereits kurz nach Inbetriebnahme des Brunnens mit einer rostroten Schicht überzogen. Die Vermutung ging dahin, daß es sich dabei um Eisenablagerungen des artesischen Wassers handelt. Dies sollte durch einen Eisennachweis geklärt werden.

Nach Jander, Blasius [vgl. 2, S. 133] wurde der zu untersuchende Rückstand im Verhältnis 1:6 mit Kaliumhydrogensulfat (KHSO4) vermischt und anschließend verrieben. Dieses Gemisch wurde erhitzt und so zu Schmelzen gebracht. Nach dem Abkühlen der Schmelze wurde etwas verdünnte Schwefelsäure zugegeben, so daß sie zum Großteil in Lösung ging.

Nach dem Aufschluß des Rückstandes wurde die entstandene Lösung filtriert und in ein Reagenzglas gegeben.

Abbildung 7
Abb. 7

Einige Tropfen dieser Flüssigkeit wurden nun auf Filterpapier gegeben. Die anschließend aufgebrachten KSCN-Kristalle deuteten durch ihre Rotfärbung auf die Bildung von Fe(SCN)3 hin (Bild 6). Dies ist laut Literatur ein Nachweis für Fe(III)-Ionen [vgl. 2, S. 272].

Die restliche Lösung wurde mit einer K4[Fe(CN)6]-Lösung versetzt. Eine intensive Blaufärbung der Flüssigkeit war das Resultat des gebildeten Farbstoffs Berliner Blau (K[FeFe(CN)6], Bild 7). Daraus folgt ebenfalls, daß der Rückstand Fe(III)-Ionen enthalten haben muß [ebenda].

Da beide Reaktionen äußerst farbintensiv abliefen, kann auf eine hohe Konzentration von Fe(III)-Ionen geschlossen werden. Dies wird auch durch die Ergebnisse der quantitativen Untersuchungen gestützt (siehe 3.3.3).

Zugabe von weiteren Substanzen

Bei dem Versuch, Schwefelwasserstoff bzw. Sulfat qualitativ zu erfassen, konnte mit folgenden Substanzen nichts festgestellt werden:

Bariumhydroxid

Durch Zugabe von Bariumhydroxid sollten sich vorhandene Sulfat-Ionen mit den Ba+-Ionen verbinden und einen Niederschlag bilden [vgl. 2, S. 181]. Es konnte keine Reaktion festgestellt werden.

Bleinitrat

Bleinitrat bildet bei Anwesenheit von Sulfidionen ein schwarzes, wasserunlösliches Salz, nämlich Bleisulfid [vgl. 2, S. 175]. Der Versuch brachte als Ergebnis allerdings einen weißen Niederschlag. Nachdem mit einem hohen Chlorgehalt im Wasser gerechnet werden mußte, wurde bei diesem Versuch vermutlich Bleichlorid gebildet.

Kupfersulfat

Laut 2 (ebenda) sollte eine Zugabe von CuSO4Lösung mit dem Schwefelwasserstoff des Wassers einen schwarzen Niederschlag ergeben. Der Versuch ergab allerdings, analog zu 3.2.2.2, einen weißen Niederschlag.

quantitative Nachweise

Mittels von der Schule gestellter Analysekästen wurde das Wasser von mir auf spezielle Inhaltsstoffe überprüft.

Grundsätzlich basiert der Nachweis der entsprechenden Substanz auf Reaktionen, bei denen farbige Komplexe gebildet werden. Die Nachweisreaktionen an sich kann man in zwei Gruppen einteilen.

Titrationen

Die eine Gruppe stützt sich auf Titrationen, Die zu prüfende Substanz im Wasser wird mittels einer geeigneten Reaktion und einem entsprechenden Reagenz in eine Farbkomplex überführt. Eine zweite Lösung wird tropfenweise zugegeben. Ein Farbumschlag kennzeichnet das Ende der Titration. Anhand der verwendeten Menge an zweiter Lösung können Rückschlüsse auf die ursprüngliche Menge des nachzuweisenden Stoffes gezogen werden.

Mit dieser Methode wurden die Gesamthärte und der Sauerstoffgehalt bestimmt. Als Beispielreaktion hierfür möchte ich kurz auf die Bestimmung der Gesamthärte eingehen.

Der Analysekasten enthält einen Meßbecher mit einer Markierung bei 5 ml, sowie die Reagenzien GH-1 und GH-2. Zuerst wird der Meßbecher bis zur Markierung mit dem Wasser gefüllt. Dann wird die komplexometrische Titration ausgeführt, indem erst zwei Tropfen GH-1 zugegeben werden. Bei Anwesenheit von Härtebildnern färbt sich die Lösung rot, da der in GH-1 beinhaltete Metallindikator entsprechend auf die Anwesenheit der Ca- bzw. Mg-Ionen reagiert. Es wird nun tropfenweise GH-2 zugegeben. Diese Lösung ist nun so konzentriert, daß die Anzahl der verbrauchten Tropfen an GH-2 genau (im Rahmen der Meßgenauigkeit) dem Härtegrad des Wassers in °d (= Grad deutscher Härte) entspricht. GH-2 enthält den Komplexbildner EDTA, der die anwesenden Metallionen als Chelate bindet. Der Metallindikator findet somit keine freien Metallionen mehr in der Lösung vor und ändert am Endpunkt der Titration schlagartig die Farbe der Lösung in grün.

kolorimetrische Nachweisreaktionen

Die zweite Gruppe erreicht den quantitativen Nachweis des Stoffes durch die verschieden intensive Farbe der Lösung nach der Reaktion. Eine Vergleichstabelle mit den dazugehörigen Werten gibt dann Aufschluß.

Hier möchte ich kurz auf die Eisenbestimmung eingehen. Diese Methode basiert auf der Bildung eines Eisentriazin-Komplexes, der sich durch eine Violettfärbung der Lösung nachweisen läßt.

Zuerst werden die beiden mitgelieferten Meßgläser mit je gleich viel Wasser gefüllt. Beide Gläser werden dann in den sogenannten Komparator, einen Kunststoffständer, eingestellt, der nach unten geöffnet ist. In das vordere der beiden Gläser werden nun vier Tropfen des Reagenz Fe-1 zugegeben. Eine Violettfärbung der Lösung zeigt die Anwesenheit von Fe(II)-Ionen an. Die beiden Gläser werden nun im Komparator auf die Farbkarte gestellt, die zwei Reihen farbiger Felder enthält. Die vordere Reihe zeigt ausnahmslos den gleichen Gelbton. Der Komparator wird so aufgesetzt, daß das Glas mit dem Reagenzienzusatz stets auf einem dieser Felder steht. In der hinteren Reihe steigt der Farbton, ausgehend von diesem Gelb, bis hin zu einem dunklen Violett an. Die Küvette, die lediglich das Wasser enthält, wird nun mit einem dieser Felder in Deckung gebracht.

Betrachtet man die Farbkarte von oben durch die beiden Meßgläser hindurch und verschiebt dabei den Komparator entsprechend, so erkennt man bei einem gewissen Wert, den man auf der Farbkarte ablesen kann, eine Farbgleichheit zwischen dem vorderen und dem hinteren Feld. Der abgelesene Wert gibt den Gehalt des Wassers an Fe(II)-Ionen an.

Bei einer Zugabe des Reagenz Fe-2 werden zusätzlich alle vorliegenden Fe(III).Ionen reduziert und so mit erfaßt. Der Meßbereich dieses Nachweises liegt in einem Bereich zwischen 0,04 und 1,0 mg/l.

Tabelle 1: Nachweisreagenzien
Nachweis Reagenzien (soweit bekannt)
Gesamthärte EDTA (Komplexbildner), Metallindikator
Carbonathärte Indikatorlsg., Salzsäure
Eisenionen Triazinderivat, Reduktionsmittel
Phosphat/Silicat Ammoniumheptamolybdat, Reduktionsmittel
Ammonium Tartrat, Kaliumjodomercurat, Alkali
Nitrit Sulfanilsäure, 1-Naphtylamin
Nitrat vermutlich Lunges Reagenz, siehe Anhang
Sauerstoff nicht bekannt

Ähnliche Methoden wurden zum Nachweis von Phosphat, Silikat, Nitrit, Nitrat, und Ammonium angewendet.

Tabelle 1 zeigt die Reagenzien, die zum Nachweis verwendet wurden [vgl. auch: 10].

Ergebnisse der quantitativen Analyse

Folgende Nachweisreaktionen mit den dazugehörigen Werten wurden gemacht:

Tabelle 2: Ergebnisse der quantitativen Analyse
Datum 05.08.98 12.08.98 13.01.99
Temperatur/Wasser 13°C 14°C kalt
pH-Wert 7 ± 0,5
Gesamthärte 12°d 10°d 9°d
Sauerstoff gel. 7,0 mg/l 1 mg/l 4,2 mg/l
Phosphat 12 mg/l 12 mg/l 5 mg/l
Silicat 3,5 mg/l 2 mg/l 0,9 mg/l
Ammonium 0,9 mg/l 0,9 mg/l 0,9 mg/l
Nitrit 0,012 mg/l 0,005 mg/l 0,012 mg/l
Nitrat <2 mg/l <2 mg/l 3 mg/l
Fe(II) 0,04 mg/l 0,35 mg/l
Fe(II)+Fe(III) 0,17 mg/l 0,10 mg/l 0,50 mg/l

Desweiteren wurde, nachdem der Überlauf des artesischen Brunnens Mitte August vermutlich wegen Wassermangels bis zur Absperrung aller Brunnen trocken blieb, das Wasser analysiert, das ersatzweise durch die Brunnenanlage geleitet worden war. Das Wasser entspricht dem Leitungswasser im Regensburger Stadtgebiet.

Folgende Werte ergaben sich:

Tabelle 3: Vergleichswerte von Leitungswasser
Datum 09.09.98 16.09.98 23.09.98
Temperatur/Wasser 16°C 13°C 15°C
pH-Wert 6 6 6
Gesamthärte 16°d 16°d 15°d
Sauerstoff gel. 8 mg/l 7,3 mg/l 8,1 mg/l
Phosphat 5 mg/l 2,5 mg/l 5 mg/l
Silicat 5 mg/l 2,5 mg/l 2,5 mg/l
Ammonium 0,1 mg/l 0,1 mg/l 0,07 mg/l
Nitrit 0,012 mg/l 0,005 mg/l 0,012 mg/l
Nitrat 20 mg/l 15 mg/l 5 mg/l
Fe(II) < 0,04 mg/l 0,0 mg/l 0,03 mg/l
Fe(II)+Fe(III) < 0,04 mg/l 0,0 mg/l 0,04 mg/l

Auswertung der quantitativen Analyse

Im folgenden möchte ich kurz auf die Bedeutung der gemessenen Werte eingehen:

Stickstoffverbindungen

Die drei in Gewässern anzutreffenden Ionen Nitrit, Nitrat und Ammonium stellen Stufen der bakteriellen Analyse von Proteinen über Ammonium und Nitrit zu Nitrat dar. Nitrat gelangt auch über den Dünger ins Grundwasser, alle drei weisen bei hoher Konzentration auf die Zuführung von Industrieabwässern hin [vgl. 10, 3, S. 49].

Somit sind sie als Indikatoren für die Verschmutzung des Wassers, sowohl bakteriologisch, z.B. durch Hausmüll, als auch technisch-chemisch also durch industrielle Abwässer oder Überdüngung, bedeutsam.

Nitrit und Ammonium bilden pH-abhängige Gleichgewichte mit HNO3 und NH3. Diese Stoffe sind ungeladen und können deshalb leichter durch Zellmembranen diffundieren, sie sind also giftiger als NO2- und NH4+ [vgl. 10].

Deshalb sollte das Wasser einen pH-Wert von 5-8 nicht über- bzw. unterschreiten. Auch sollte der Nitritanteil im Wasser 0,1 ppm nicht übersteigen, die meisten Staaten geben Grenzwerte von 0,005 ppm an. Gewässer mit entsprechend höheren Nitritwerten gelten als verschmutzt.

Bei Ammonium liegt ein Höchstwert etwa bei 0,5 ppm, die Weltgesundheits-organisation hat ihn in ihren Europäischen Standards sogar auf 0,05 ppm für Trinkwasser festgesetzt. Eine höhere Konzentration ist zwar toxikologisch für den Menschen meist unbedenklich, hat aber Auswirkungen auf die allgemeine Wasserqualität. Z.B. kann beim Chlorieren des Wassers NCl3 entstehen, das durch seinen Geruch unangenehm auffällt. Ammonium kann auch durch die Reduktion von vorhandenem Nitrat entstehen. Diese Reaktion wird durch H2S katalysiert [vgl. 3, S. 50].

Ähnlich verhält es sich mit dem Nitrat. Trinkwasser sollte hier, entsprechend den European Standards, nicht mit mehr als maximal 50 ppm belastet sein, obwohl geringe Mengen an Nitrat in fast allen Wässern nachweisbar sind.

Ein erhöhter Nitratgehalt jenseits von 100 mg/l ist aus toxikologischer Sicht heraus aufgrund von zwei Aspekten bedenklich. Zum einen kann er bei Kleinkindern Methämoglobinämie auslösen. Andererseits muß Nitrat auch als latent krebserregend angesehen werden [3, S. 50], da es im Körper zu Nitrit reduziert werden kann, welches als wichtigster Stoff für die Synthese von N-Nitrosoverbindungen, die selbst krebserregend sind, gilt.

Die erstellten Meßwerte liegen mit Ausnahme des Ammoniums alle unterhalb der Höchstgrenzen, und auch der erhöhte Ammoniumwert ist nicht besorgniserregend. Man kann also sagen, daß das Wasser, auch das Leitungswasser, nur unbedeutende Menge an Stickstoffverbindungen aufweist. Dies ist ein Hinweis auf die Reinheit des Wassers, die sicherlich auch durch die schützende Tonschicht gefördert wird.

Gesamthärte

Als Gesamthärte wird die Summe der in einem Wasser gelösten Erdalkali-Ionen bezeichnet. [3, S. 47] Sie bezieht sich aber fast ausschließlich auf Ca- und Mg-Ionen, da diese mit Abstand am häufigsten vorkommen.

Die Gesamthärte teilt sich auf in die Carbonathärte KH und die Nichtcarbonathärte NKH. Die KH gibt die Menge an Carbonat-, bzw. Hydrogencarbonationen an, die ja größtenteils an die entsprechenden Erdalkalimetallionen gebunden sind. Die restlichen Metallionen werden von der NKH erfaßt.

Die Wasserhärte hat vor allem in der Praxis Bedeutung. So darf das meiste bei technischen Prozessen verwendete Wasser keine oder nur sehr wenig Härtebildner aufweisen. Mit Seifen bildet es schwer lösliche Ca-Mg-Seifen, beeinträchtigt also die Waschkraft dieser Mittel [vgl. 3, S. 48].

Gelegentlich kommt der Härte auch die Funktion eines Verschmutzungsindikators zu, denn häufig zeigt sich in durch Jauche, Harn und Abwässer lokal verunreinigten Grundwässern nicht nur eine Erhöhung der Härte, sondern auch ein gestörtes Ca/Mg-Verhältnis. [3, S.48] Nicht verunreinigte Gewässer weisen ein Verhältnis von ca. 4:1 auf.

Nach 3 [vgl. 3, S. 113] müßte eine Beurteilung des Hartinger Wassers dahingehend ausfallen, daß es durch seine durchschnittliche Härte von ca. 10,3°d als weich zu bezeichnen ist. Obwohl über die [gesundheitlichen] Auswirkungen der Härte noch immer Unklarheit [3, S. 48] besteht, gilt ein eher niedriger Härtegrad als möglicherweise gesundheitsgefährdend, da sich toxische Elemente in diesem besser zu lösen vermögen. Im Falle des Artesers ist die Härte aber nur unbedeutend unter dem Durchschnitt. Die starken Schwankungen lassen sich wohl auf die Temperaturunterschiede der Wasserproben zurückführen. Das Leitungswasser weist eine Durchschnittshärte von 15,6°d auf (mittelhart).

Phosphat, Silicat

Phosphat und Silicat wurden mit dem selben Nachweiskasten bestimmt. Da der Farbton der Vergleichsküvette nicht exakt mit dem in der Nachweislösung übereinstimmte, können Meßungenauigkeiten im Rahmen von ca. 2,5 mg/l (Phosphat), bzw. 1,5 mg/l (Silicat) auftreten.

Phosphat

Phosphat, in natürlichen Gewässern meist nur als HPO42- vorhanden, liegt im allgemeinen, bedingt durch die hohe Adsorptionsfähigkeit des Bodens, bei ca. 0,1 mg/l. Phosphatwerte über 0,3 mg/l sind deshalb fast ausschließlich menschlichen Verunreinigungen zuzuschreiben. Werte jenseits von 0,5 mg/l führen bei entsprechender Konzentration an Stickstoffverbindungen gar zu beschleunigter Eutrophierung. Eutrophierung ist die Anreicherung von Pflanzennährstoffen in einem Wasser und das daraus resultierende, verstärkte Pflanzenwachstum, das den chemischen Haushalt des Wassers negativ beeinflußt. Auch können höhere Konzentrationen als ca. 6,8 mg/l Verdauungsstörungen hervorrufen [vgl. 3, S. 51].

Für den erheblich erhöhten Phosphatgehalt sowohl des Leitungs- als auch des Brunnenwassers gibt es nur eine Erklärung. Die Erläuterungen zur geologischen Karte von Bayern geben als Phosphatwert des Wassers aus dem Wasserwerk Oberer Wöhrd lediglich einen Betrag von 0,2-0,25 mg/l an [vgl. 5, S. 284]. Es wurde keine Blindprobe mit dem Reagenziensatz vorgenommen, es muß aber aus den gemessenen Werten auf eine Fehlerhaftigkeit dieser geschlossen werden.

Aus den Meßwerten läßt sich allerdings zumindest erkennen, daß der artesische Brunnen mehr Phosphat enthält, als das aufbereitete Wasser der Stadt Regensburg.

Silicat

Auch hier geben die Erläuterungen einen Wert für SiO2 an. Dieser liegt zwischen 3,6 und 5,0 mg/l [ebenda]. Er stimmt sehr schön mit den vorhandenen Vergleichswerten des Leitungswassers überein.

Silicat entsteht bei der Verwitterung der Gesteinsschichten und ist deshalb im Grundwasser in höheren Konzentrationen zu finden, als in Oberflächengewässern. 5-8 mg/l Silicat sind übliche Werte. Die Kieselsäure ist bis in eine Konzentration von 52 mg/l toxikologisch unbedenklich.

Der gemessene Wert für Harting ist zwar niedrig, aber dennoch im Bereich des möglichen. Er zeugt von wenig verwitterungsfähigen Erdschichten oder weist auf ruhendes Grundwasser hin.

Sauerstoff

Neben dem chemisch gebundenen Sauerstoff weisen Gewässer einen gewissen Anteil an gelöstem Sauerstoff auf. Dieser wird entweder der Luft entnommen oder im Wasser selbst durch photoautotrophe Organismen gebildet. Der O2-Gehalt erreicht nicht selten den Sättigungspunkt von 14,5 mg/l (bei 0,1°C) bzw. 9,2 mg/l (bei 20°C). Da der Sauerstoff aber auch von Lebewesen verbraucht wird, ist seine Konzentration zeitlichen Schwankungen ausgesetzt [vgl. 3, S. 53].

Mangel an Sauerstoff in tiefen Grundwässern führt zu anaeroben Stoffwechselvorgängen seitens der Mikroorganismen, also zuerst zur Nitratreduktion und dann zur Bildung von H2S. Oberflächengewässer sollten hingegen mindestens 5 mg/l O2 enthalten, um das überleben des Fischbestandes zu sichern. Die Bedeutung des Sauerstoffs für die Qualität des Trinkwassers ist nur insoweit relevant, als die Gefahr von Geschmacksbeeinträchtigungen durch noch unvollkommen mineralisierte Substanzen in Gegenwart von genügend Sauerstoff herabgesetzt wird. [3, S. 53]

Während der Sauerstoffgehalt des Leitungswassers relativ hoch liegt und auch einer Fischpopulation das Überleben gewährleisten würde, ist der O2-Gehalt des Brunnenwassers dafür etwas zu gering. Möglicherweise ist er auch gering genug, um teilweise das Vorhandensein von Schwefelwasserstoff durch anaerobe Bildung zu erklären. Der hohe Sauerstoffgehalt speziell am 5.8.1998 ist allerdings für Grundwässer ungewöhnlich.

Eisenionen

Eisen in hohen Konzentrationen um 1-3 mg/l ist vor allem in sogenannten reduzierten Grundwässern (O2-Mangel, CO2, NH4+, H2S) nachweisbar. Sobald es die Oberfläche erreicht, erfolgt rasch Oxidation, wobei zunächst kolloide, opaleszierende Lösungen entstehen und schließlich Eisen(III)-Oxid ausfällt. [3, S.51]

Diese Oxidation mit anschließender Ablagerung eines roten Feststoffs kann sehr schön am Beispiel des Hartinger Brunnens gezeigt werden (vgl. 3.2.1). Zwar ist Eisen nicht gar so stark vertreten, wie in anderen reduzierten Grundwässern, doch sind die Bedingungen hierfür gegeben. Auch ist der Gehalt an Eisen-Ionen wesentlich höher als im Leitungswasser.

Der menschliche Organismus benötigt täglich 5-20 mg Eisen, dennoch geben die European Standards eine Soll-Anforderung von maximal 0,1 mg/l Eisen an, da es einen eigenartigen metallischen Geschmack [3, S. 52] verursacht und außerdem Hydrolyse und Oxidation zu unwichtigem Fe3+ eintreten können.

Schwankungen der Meßwerte

Die Schwankungen der einzelnen Meßwerte sind auf mehrere Faktoren zurück-zuführen.

Zum einen lassen die Reagenziensätze keine genaue Bestimmung der einzelnen Werte zu, sondern haben stets einen gewissen Unsicherheitsfaktor, z.B. die Größe der zugegebenen Tropfen bei einer nicht senkrecht gehaltenen Flasche. Schwankungen der Meßwerte um ein bis zwei Skaleneinheiten müssen deshalb einkalkuliert werden.

Desweiteren ergeben sich natürliche, jahreszeitliche Schwankungen, gelegentlich, wie im Falle des Sauerstoffs (vgl. 3.3.4.4) sogar tageszeitliche. Diese hängen größtenteils mit den unterschiedlichen Temperaturen der einzelnen Proben zusammen, die ein unterschiedliches Lösungsvermögen des Wassers zur Folge haben.

Und drittens können auch geologische Gründe ausschlaggebend sein, z.B. das Versiegen eines unterirdischen Zulaufs oder ähnliches.

Bei der Bestimmung der Inhaltsstoffe natürlicher Gewässer muß daher immer mit einem Mittelwert gerechnet werden.

Beurteilung der Meßergebnisse

Qualität des Brunnenwassers

Wie man aus 3.3.4 erkennen kann, liegen praktisch alle Verschmutzungsindikatoren z.T. deutlich unter den geforderten Höchstwerten. Das heißt, daß das Wasser zwar nicht Trinkwasserqualität hat, aber dennoch bedenkenlos genießbar ist. Auch die Tatsache, daß der Brunnen langjährig für eine Vielzahl von Menschen die einzige Wasserversorgung war, untermauert diesen Befund.

Dagegen spricht der Schwefelwasserstoffgeruch des Wassers, da bereits 2 mg/l H2S in der Atemluft […] tödlich [3, S.66] wirken, es aber auch schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen, schon 0,2 µg H2S sind mit der Nase feststellbar [vgl. 2, S. 175] , das Wasser durch seinen Geruch ungenießbar macht. Da sich der Geruch jedoch schnell verflüchtigt (vgl. 3.1), und auch sonst kein Schwefelwasserstoff nachgewiesen werden konnte [vgl. 3.2.2 und Prüfbericht LUBAG], kann dies wohl vernachlässigt werden.

Auch der Hartinger Altbürgermeister Herr Wessely meinte im Gespräch, das Wasser wäre bei einer Prüfung als genießbar, sowohl vom biologischen als auch vom chemischen Standpunkt aus, bewertet worden. Lediglich ein etwas erhöhter Eisengehalt sei bemängelt worden.

Als Vergleichswerte für Trinkwasser möchte ich in Tabelle 4 kurz die Analyse des Grundwasserwerks Sallern angeben [5, S. 284].

Tabelle 4: Analysewerte des Grundwasserbrunnens Sallern (Entnahme: 18. 02. 1959)
Kriterium Meßwert Einheit
pH 7,33 pH
Leitfähigkeit 1950 W
CaO 106,0 mg/l
MgO 22,9 mg/l
K2O 2,7 mg/l
Na2O 25,8 mg/l
Fe2+ 0,01 mg/l
Mn2+ nn mg/l
Gesamthärte 14,2 °d
Karbonathärte 12,0 °d
gelöster Sauerstoff 9,1 mg/l
CO2 (frei) 6,6 mg/l
NO3- 12,0 mg/l
SO42- 21,5 mg/l
PO43- 0,20 mg/l
SiO2 ng mg/l
Temperatur 10,4 °C

Herkunft des Brunnenwassers

Wie in 2.3.1 und 2.3.3 beschrieben, gibt es mehrere mögliche Zusammenhänge mit anderen Brunnen im Landkreis Regensburg. Daß auf dem Grundstück der Familie Zirngibl und im alten Neutraubling dieselbe Wasserquelle, die auch den untersuchten Brunnen speist, angezapft wurde, kann als sicher gelten. Anders sieht es mit den vermuteten Verbindungen mit dem artesischen Brunnen im Bereich Barbing bzw. mit der Bad Abbacher Heilquelle aus.

Zuerst möchte ich kurz auf diese beiden Quellen eingehen.

der artesische Brunnen Barbing

Im Jahre 1959 wurde von der Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte mbH eine 477 m tiefe Bohrung auf privatem Ackerland vorgenommen. Nachdem sie wieder verschlossen worden war, begann das angetroffene artesische Wasser durch den Zementabschluß zu sickern. Deshalb wurde im Jahre 1963 das Wasser behelfsmäßig aufgefangen und wird nun in den 250 m entfernten Aubach geleitet [vgl. 7, S. 30].

Vom geologischen Standpunkt aus ist interessant, daß dieser Brunnen im Bereich des Schnittpunktes des sog. Keilberg-Sprunges mit dem Donaurandbruch liegt. So dürfte das dort gefundene Wasser im Zusammenhang mit den weiter im Südosten auftretenden Schlierwässern in Verbindung stehen.

K.-E. Quentin hat 1964 folgende Analyse des Brunnenwassers erstellt [7, S. 30]:

Tabelle 5: Analysewerte des Barbinger artesischen Brunnens nach Quentin
Kriterium Meßwert
Natrium Na+ 382,0 mg/l
Kalium K+ 17,5 mg/l
Magnesium Mg2+ 31,9 mg/l
Calcium Ca2+ 85,0 mg/l
Chlorid Cl- 715,0 mg/l
Jodid I- 0,4 mg/l
Sulfat SO42- 6,8 mg/l
Hydrogencarbonat HCO3- 223,3 mg/l
Ammonium NH4+ positiv

Bemerkenswert ist der hohe Gehalt sowohl an Natrium- als auch an Chlorid-Ionen. Deshalb ist die Quelle […] als Natrium-Chloridquelle zu bezeichnen. [7, S. 31] Ähnliches ist über den artesischen Brunnen Harting nicht bekannt.

Der Quelle wurde ein völliges Fehlen von Nitrit zuerkannt. Dies zeugt von einer hohen Qualität des Wassers. Die Quelle in Harting weist jedoch, wenn auch geringe, Mengen an Nitrit auf. Auch der Schwefelwasserstoffgeruch fehlt in Barbing.

Allerdings würden beide Brunnen geologisch günstig für eine Verbindung am Donaurandbruch liegen.

die Heilquelle Bad Abbach

Die Bad Abbacher Schwefelquellen sind seit der Zeit der römischen Besatzung bekannt. Auffallend ist ihr hoher Gehalt an freiem Schwefelwasserstoff und Hydrogensulfidionen. Der Geruch entspricht demnach etwa dem der Hartinger Quelle, weshalb hier auch diese Vermutung über einen Zusammenhang untersucht werden soll.

Der Mineralgehalt dieser Heilquelle wurde von Abele bestimmt [6, S. 167]:

Tabelle 6: Analysewerte der Abbacher Bade-Quelle nach Abele
Kriterium Meßwert
Kalium K+ 14,85 mg/l
Natrium Na+ 79,20 mg/l
Calcium Ca2+ 62,76 mg/l
Magnesium Mg2+ 25,27 mg/l
Ferro-Ion Fe2+ 0,581 mg/l
Aluminium Al3+ 0,152 mg/l
Chlor Cl- 42,90 mg/l
Sulfat SO42- 11,88 mg/l
Hydrokarbonat HCO3- 458,30 mg/l
Hydrophosphat HPO42- 0,531 mg/l
Hydrosulfid HS- 2,56 mg/l
Metakieselsäure H2SiO3 19,47 mg/l
org. Substanzen 1,23 mg/l
Freies Kohlendioxyd CO2 48,33 mg/l
Freier Schwefelwasserstoff H2S 1,28 mg/l

Der Schwefelgehalt der Quellen stammt laut Gümbel aus den oft pyrit-imprägnierten Schichten des Braunkohletertiärs […]. [6, S. 166]

Sowohl die geringe Härte des Wassers als auch der hohe Eisengehalt des Wassers könnten auf eine Verbindung hinweisen, doch ist der hohe Gehalt an Hydrogensulfid und Sulfat nach 3.2.2 nicht mit dem des Hartinger Brunnens vergleichbar.

Auch die geographische Lage macht das Erkennen eines Zusammenhangs schwierig. Zwar liegt Bad Abbach ebenfalls in Donaunähe, doch von Regensburg aus gesehen in der entgegengesetzten Richtung. Die geologischen Bedingungen dieses Gebietes sind deshalb nicht dieselben wie die im Bereich Harting.

Während sich dieses Gebiet nämlich, wie bereits erwähnt, am Donaurandbruch im Bereich des Übergangs zur Keilberg-Störung befindet, setzt sich die Störung nach Südwesten hin nicht fort, sondern wird hier von der Regensburg-Deuerlinger Störung abgelöst. Bad Abbach liegt also nicht am Donaurandbruch, sondern in unmittelbarer Nähe von nachgewiesenen oder wahrscheinlichen [regionalen] Störungen […]. [6, S. 166]

Der Druck, der die Bad Abbacher Heilquelle an die Oberfläche fördert, wird zudem als Gasdruck charakterisiert und nicht, wie im Falle Harting, als artesischer Wasserdruck, der zudem im Laufe der Jahre sichtlich nachgelassen hat, während die Schüttung in Bad Abbach von natürlichen Schwankungen abgesehen konstant bleibt.

Dies läßt als Schluß zu, daß der artesische Brunnen nicht oder nur peripher mit den Badequellen Bad Abbachs in Verbindung steht.

Folgerungen

Wie eben gezeigt, gibt es wohl keinen Zusammenhang mit dem Wasser aus Bad Abbach, doch die Barbinger artesische Quelle könnte durchaus den Nordrand des kleinen artesischen Beckens um Harting darstellen. Auch vermutet Herr Wessely, daß sich dieses Becken noch etwas nach Südosten fortsetzt. Dies konnte nicht weiter überprüft werden, da die entsprechende Literatur nicht aufgefunden werden konnte, die Anzeichen aber sprechen dafür, so z.B. der ehemalige Arteser in Neutraubling.

abschließende Betrachtung

Zum Abschluß möchte ich noch kurz auf zwei Themen eingehen, die mir im Laufe der Facharbeit begegneten. Zum einen ist es ein Teil des Gesprächs, das ich mit Herrn Wessely über den Brunnen geführt habe, zum anderen werde ich kurz die Erläuterungen wiedergeben, die ich von dem Künstler erhalten habe, der die Brunnenanlage auf dem Dorfplatz Hartings gestaltet hat.

über die Verwendung des Hartinger Brunnenwassers

Teil meines Gesprächs mit dem Hartinger Altbürgermeister war auch die ehemalige Verwendung des Brunnens. Dabei erwähnte Her Wessely, daß im Laufe der Benutzung des Brunnens, und vor allem auch der Benutzung des Neutraublinger Zulaufs, Unmengen an Wasser ungenutzt in einen Graben der Donau entgegen geleitet wurden, an sich eine entsetzlich Verschwendung an wertvollem Trinkwasser.

Auch bei der Verschließung und Vergrabung des Brunnens habe er bei der Stadt Regensburg Widerspruch eingelegt, da das Wasser sinnvoll hätte genutzt werden können, z.B. als natürliche Wasserversorgung im Katastrophenfall. Doch sein Vorschlag stieß bei der Stadt auf taube Ohren.

Die Ökologie warnt schon seit Jahren vor der unbedarften und unkontrollierten Benutzung des Trinkwassers, da abzusehen ist, daß es in Zukunft Engpässe bei der Versorgung mit diesem Gut, bedingt durch Umwelteinflüsse, die zum Teil vom Menschen selbst negativ beeinflußt wurden, geben wird. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb Herr Wessely sich so für eine sinnvolle Nutzung des Brunnens einsetzte. Das durch eine Tonschicht geschützte artesische Wasser wäre kurzzeitig eine sinnvolle Entlastung für eine überbeanspruchte Wasserversorgung des Raumes Harting, wie sie in Zukunft zu befürchten steht.

Jedoch dürfte es mittlerweile zu spät für eine Korrektur dieses Fehlers sein, da der Wasserdruck des Brunnens so sehr nachgelassen hat, daß das Wasser gerade noch die Oberfläche erreicht. Vielleicht ist es deshalb die beste Nutzung des Artesers, sein Wasser einer Brunnenanlage auf einem Dorfplatz zur Verfügung zu stellen. Zumindest wird er so nicht vergessen, wie es zu Beginn der 80er Jahre der Fall war.

Überlegungen zur Verbindung Hartings mit seinem Brunnen

Der Vorschlag zur Gestaltung der Brunnenanlage, der sowohl vom Regensburger Stadtrat als auch von den Hartinger Bürgerinnen und Bürgern mehrheitlich angenommen wurde, stammt von Helmut Langhammer. Seiner Ansicht nach waren die Straße […] zu gerade – die Platzfläche zu groß – die Häuser zu weit auseinander, um Wohlbefinden auszulösen. [12] Deshalb versuchte er durch sein Kunstwerk, einen kleinen Platz in den großen Platz einzufügen. [12] Von Süden wird das artesische Wasser, das einem kleinen Quellstein entspringt, zu diesem Platz geführt. Zentral steht hier ein großer Granitblock mit bronzenem Wasserspeier, der die Assoziation eines Tores zuläßt. Der Künstler versuchte, den uralten Kulturplatz Harting in dem Brunnen symbolisch wiederzugeben.

Das maschinell anmutende Bronzeteil des Brunnens dagegen, ebenso wie die glatte Front und Rückseite des Granits deuten mehr auf den modern-industriellen Aspekt des Raumes Harting als Standort des vergleichsweise neuen BMW-Werks hin.

Beides ist zu einer Einheit, zu einem Ensemble verbunden […]. [12] Harting ist tatsächlich ein Ort, in dem sich Tradition und Moderne begegnen, in dem Stadt- und Landkultur ineinanderfließen. Und so fließt auch das alte Wasser des Brunnens über einen wunderschönen neuen Dorfplatz in Harting.

Verzeichnis der Quellen:

  1. Hammer, Knauth, Kühnel: Physik, Jahrgangsstufe 9. Ausgabe A, Verlag Oldenbourg, 1993
  2. Gerhart Jander, Ewald Blasius: Lehrbuch der analytischen und präparativen Chemie. Hirzel Verlag, 1976
  3. Leonhard Hütter: Wasser und Wasseruntersuchung. Verlag Sauerländer, 1979
  4. H. H. Rump, H. Krist: Laborhandbuch für die Untersuchung von Wasser, Abwasser und Boden. Verlag VCH, 1992
  5. Bauberger, Cramer, Tillmann: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, Blatt Nr. 6938 Regensburg. Bayerisches Geologisches Landesamt, 1969
  6. Fritz Oschmann: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, Blatt Nr. 7038 Bad Abbach. Bayerisches Geologisches Landesamt, 1958
  7. Karl-Ernst Quentin: Die Heil- und Mineralquellen Nordbayerns. in: Geologica Bavarica Nr. 62. Bayerisches Geologisches Landesamt, 1970
  8. LUBAG GmbH: Prüfbericht Schwefelbrunnen Kastner. Auftraggeber: Stadt Regensburg, Liegenschaftsamt, 23.06.1994
  9. Materialien des Stadtgartenamtes (siehe Anhang)
  10. Beipackzettel der Reagenziensätze:
    • Visocolor Eisen, Art.-Nr. 931026
    • Visocolor Gesamthärte, Art.-Nr. 931029
    • Aquamerck 11119, Phosphat/Silicat
    • Aquaquant 14400, NH4+
    • Aquaquant 14408, NO2
  11. Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.): Das moderne Lexikon. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh
  12. Erläuterungen zur Gestaltung des Hartinger Brunnens von Helmut Langhammer (siehe Anhang)

Anhang

Materialien im Anhang: nicht verfügbar